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Darlehen

Darlehen sind aus dem Wirtschaftsleben nicht wegzudenken: Immobilien, gewerbliche Investitionen und kurz- und langfristige Konsumanschaffungen sind ohne Finanzierungen nicht realisierbar. So vielfältig die Verwendungsmöglichkeiten von Darlehen sind, so umfangreich sind auch die verschiedenen Arten, die angeboten werden.

An dieser Stelle soll es um Annuitätendarlehen in zwei Varianten gehen. Annuitätendarlehen sind Darlehen, bei denen Zins und Tilgung zusammen in konstanten Raten entrichtet werden. Dieses Darlehenskonzept kommt bei Verbraucherkrediten ohne Zweckbindung genauso zum Einsatz wie bei Immobilienfinanzierungen.

Welche Banken bei normalen Ratendarlehen die besten Angebote machen, zeigt unser nachfolgender Vergleich:

Laufzeiten

Verbraucherkredite ohne spezifische Zweckbindung werden meistens über Laufzeiten von 3 bis 96 Monaten zurückbezahlt. Bei einigen Banken können Kreditnehmer die Laufzeit individuell bestimmen, bei anderen ist nur die Auswahl aus einigen Intervallen möglich. Einige Banken bieten Darlehen ohne Zweckbindung auch mit 120 Monaten Laufzeit an. Längere Tilgungszeiträume gibt es jedoch praktisch nicht.

Anders ist dies bei Darlehen, mit denen Immobilien finanziert werden. Hier sind sachgemäß Laufzeiten von bis zu 40 Jahren möglich. Die meisten Immobilienkredite sind jedoch mit Laufzeiten von nicht mehr als 25 Jahren ausgestattet. Die Zinsbindung der Kredite ist meistens, aber nicht immer deutlich kürzer.

Kreditsummen

Bei Darlehen ohne Zweckbindung sind Kreditsummen von 500 bis 100.000 Euro üblich. Diese Spanne ergibt sich aus den Standardangeboten der Banken. Der Mindestkreditbetrag variiert jedoch ebenso wie der maximal mögliche Darlehensbetrag. Einige Banken verlangen  einen Nettokreditbetrag von mindestens 5.000 Euro, andere begrenzen ihr Angebot auf 30.000 bis 75.000 Euro.

Werden Darlehen zur Immobilienfinanzierung genutzt sind weitaus größere Kreditbeträge üblich. Da in der Regel 60 bis 120 Prozent des Objektwertes finanziert werden, sind auch Kreditbeträge im oberen sechsstelligen oder auch im siebenstelligen Bereich üblich.

Gebühren

Bei vielen Verbraucherdarlehen fällt eine Bearbeitungsgebühr in Höhe von 1,5 bis 5 Prozent des Nettokreditbetrages an. Die Gebühr wird mit der Auszahlung fällig. Sie wird dem Kreditkonto belastet und zum Sollzins mitfinanziert. Die Gebühr muss gemäß Preisangabenverordnung im Effektivzins enthalten sein. Das gilt auch für Entgelte wie Kontoführungsgebühren. Ein Großteil der Banken verzichtet auf Bearbeitungsgebühren.

Bei Immobilienkrediten fallen  ebenfalls Gebühren an. Neben den Kosten für die Eintragung der Grundschuld, die durch einen Notar vorgenommen werden muss, können auch Bearbeitungsgebühren und Kontoführungsgebühren anfallen.

Verzinsung

Die Zinsen von Verbraucherdarlehen richten sich nach der Bonität des Kreditnehmers und der gewählten Laufzeit. Mit einer guten Bonität und bei kurzer Laufzeit sind die Konditionen tendenziell am günstigsten. Das gilt auch umgekehrt: Bei einer mittelmäßigen Kreditwürdigkeit und langer Laufzeit fallen höhere Zinsen an.

Die Unterschiede zwischen den zahlreichen Anbietern am Markt sind allerdings groß. Das gilt sowohl im Hinblick auf den Effektivzins als auch hinsichtlich der Kriterien für den Zinssatz. Ein erheblicher Teil der Kredite auf dem deutschen Markt wird zu bonitätsunabhängigen Konditionen vergeben. Dann ist ebenfalls eine gute Bonität erforderlich. Die Kunden, deren Bonität ausreicht, erhalten jedoch alle einen identischen Zinssatz.

Bei Darlehen mit grundpfandrechtlicher Besicherung ist die Höhe des Beleihungsauslaufes für den Zinssatz entscheidend. Die jeweils günstigsten Angebote einer Bank gelten für einen Beleihungsauslauf von bis zu 60 Prozent. Geht der Fremdkapitalanteil darüber hinaus, werden Aufschläge fällig. Ab einem Beleihungsauslauf von 80 Prozent steigen diese Aufschläge bei vielen Banken besonders stark an.

Grundsätzlich gilt für alle Darlehen, dass das allgemeine Zinsniveau am Kapitalmarkt einen großen Einfluss auf die Konditionen hat. Besonders groß ist diese Einfluss auf die Zinsen von Immobilienkrediten, weil in diesem Segment ein härterer Wettbewerb herrscht und die Gewinnaufschläge der Banken kleiner sind.

Sicherheiten

Darlehen ohne Grundbucheintrag werden ohne besondere Sicherheiten vergeben. Die Bank prüft lediglich die Einkommens- und Beschäftigungssituation des Kreditnehmers und verschafft sich anhand einer Schufa-Auskunft ein Bild über das bisherige Zahlungsverhalten.

Immobilienkredite werden durch einen Eintrag ins Grundbuch besichert. Die Bank kann bei anhaltendem Zahlungsverzug durch den Kreditnehmer ihre Forderungen durch die Verwertung der Immobilie sichern. Das ermöglicht die Finanzierung zu einem im Vergleich zu Ratenkrediten deutlich niedrigeren Zinssatz.

Zinsbindung

Der Zinssatz von Ratenkrediten ist bis zum Ende der Laufzeit festgeschrieben. Bei Immobilienkrediten wird eine Zinsbindung vereinbart, die den Zinssatz entweder für die gesamte Laufzeit oder einen bestimmten Zeitraum fixiert. Erstreckt sich die Zinsbindung nicht bis zur Fälligkeit, wird der Kredit im Anschluss an die Zinsfestschreibung variabel verzinst.

Sondertilgung und Kündigung

Bei Darlehen ohne grundpfandrechtliche Besicherung ist eine Kündigung durch den Kreditnehmer jederzeit möglich. Für nach dem 10. Juni 2010 ausbezahlte Kredite sind vertragliche Kündigungsfristen von mehr als einem Monat unwirksam. Kreditnehmer können ein Darlehen deshalb jederzeit ganz oder teilweise kündigen.

Die Bank darf in diesem Fall eine Vorfälligkeitsentschädigung in Höhe von maximal 1 Prozent des Kündigungssaldos verlangen. Bei vielen Banken werden zusätzliche Bearbeitungsentgelte fällig –entweder als Pauschale oder Prozentsatz vom Kündigungssaldo.

Bei grundpfandrechtlich besicherten Darlehen mit Zinsfestschreibung ist eine vorzeitige Kündigung per Gesetz erstmals 10 Jahre nach der vollständigen Auszahlung möglich. Ansonsten gelten die vertraglichen Vereinbarungen: Wurde keine kürzere Kündigungsfrist bzw. optionale Sonderzahlungen vereinbart, ist der Kreditnehmer an das Darlehen samt Zinsfestschreibung  gebunden.

Eine vorzeitige Kündigung kommt ansonsten nur in Betracht, wenn ein (im juristischen Sinne) berechtigtes Interesse vorliegt. Das ist der Fall, wenn die Immobilie verkauft wird oder die Bank einer Aufstockung des Kredits zu Sanierungszwecken nicht zustimmt. Ein niedrigeres Zinsniveau oder eine Erbschaft begründen ausdrücklich kein berechtigtes Interesse.

Verwendungszweck

Darlehen ohne Zweckbindung sind trivialerweise nicht an einen bestimmten Verwendungszweck gebunden. Fast alle Verbraucherkredite in Deutschland werden mittlerweile ohne Zweckbindung ausbezahlt.

Sachgemäß müssen Immobilienkredite zum Bau oder Erwerb der mit der Bank vereinbarten Immobilie verwendet werden. Bei einem Kauf muss dieser durch die Vorlage des Kaufvertrages nachgewiesen werden. Bei Bauvorhaben erfolgt die Auszahlung mit dem Fortschritt des Baus nach entsprechender Vorlage von Rechnungen.

Vorteile gegenüber anderen Finanzierungen

Darlehen ohne Zweckbindung sind einerseits ausgesprochen flexibel, weil sie zu beliebigen Vorhaben genutzt werden können. Konsumanschaffungen jeglicher Art können genauso über einen Ratenkredit finanziert werden wie Umschuldungen. Andererseits bieten Ratenkredite ein Höchstmaß an Kalkulationssicherheit, weil der Zinssatz für die gesamte Laufzeit ebenso feststeht wie die Höhe der monatlichen Raten. Das ist bei Rahmenkrediten mit variabler Verzinsung oder auch Dispositionskrediten ohne Tilgungsvorgabe anders.

Der größte Vorteil von Immobilienkrediten mit Zinsbindung liegt in der Eliminierung des Zinsänderungsrisikos, das bei Finanzierungen mit großem Volumen im schlimmsten Fall zu einer existenziellen Bedrohung werden kann. Gegenüber Tilgungsdarlehen bieten Immobilienkredite mit annuitätischer Tilgung den Vorteil konstanter Belastungen.

Nachteile gegenüber anderen Finanzierungen

Ratenkredite sind trotz der gesetzlich festgeschriebenen kurzen Kündigungsfrist noch immer recht teuer, wenn sie frühzeitig gekündigt werden. Das gilt vor allem für Darlehen mit einer hohen (im Fall einer Kündigung nicht erstattungsfähigen) Bearbeitungsgebühr. Gegenüber solchen Darlehen bieten flexiblere Finanzierungen wie Rahmen- und Dispositionskredite, aber auch Effektenkredite ohne Zweckbindung Vorteile.

Immobilienkredite mit Zinsfestschreibung sind unflexibel, weil sie nicht bei Bedarf gekündigt werden können. Sinkt das Zinsniveau kurz nach der Kreditaufnahme deutlich ab, sind Kreditnehmer bis zu 10 Jahre an einen hohen Zinssatz gebunden. Die Vorfälligkeitsentschädigung bei einer Kündigung ist so teuer, dass sich Umschuldungen nicht lohnen. Das gilt besonders bei einer Kündigung ohne berechtigtes Interesse. In diesem Punkt bieten Darlehen mit variabler Verzinsung, die jederzeit mit kurzer Frist gekündigt werden können, Vorteile.

Steuerliche Besonderheiten

Darlehen, mit denen eine nicht zur Selbstnutzung bestimmte Immobilie finanziert wird, sind steuerlich relevant: Die Zinsen können als Betriebskosten von der Steuer abgesetzt werden. Fällt im ersten Jahr eine Bearbeitungsgebühr an oder wird ein Damnum vereinbart, kann dieses ebenfalls in voller Höhe geltend gemacht werden.

Wann eignet sich ein Darlehen?

Ein Darlehen eignet sich immer dann, wenn das gewünschte Vorhaben aus anderen Mitteln nicht finanziert werden kann und die Aufnahme eines Kredits sinnvoll und möglich erscheint. Darlehen zu Konsumzwecken  eignen sich, wenn die geplante Anschaffung nicht verschoben werden soll und die monatliche Rate dauerhaft und ohne unrealistische Einschränkungen aus dem vorhandenen Budget finanziert werden kann.

Darlehen zur Immobilienfinanzierung sind für selbige fast immer unerlässlich. Eine solide Immobilienfinanzierung erfordert in der Regel mehr als nur ein Bank-Darlehen. Zusätzlich sind auch Eigenkapital und Bauspardarlehen bzw. nachrangige Kredite notwendig. Aufgrund des Volumens einer Immobilienfinanzierung ist ein günstiger Zinssatz besonders wichtig. Neben Eigenkapital ist dabei auch das Abwarten einer günstigen Marktsituation hilfreich.

Wichtig bei Vergleich und Antrag

Beim Darlehensvergleich ist der effektive Jahreszins das wichtigste Kriterium. Ein qualifizierter Vergleich erschöpft sich darin jedoch nicht. Bei Ratenkrediten ist auch die Zusammensetzung des Effektivzinssatzes wichtig: Je niedriger die Bearbeitungsgebühr, desto besser ist ein Angebot ceteris paribus. Im Effektivzins nicht enthalten sind die Kosten einer etwaigen Restschuldversicherung. Soll eine solche abgeschlossen werden, müssen die Konditionen separat betrachtet werden.

Bei Darlehen mit grundpfandrechtlicher Besicherung sind Möglichkeiten zu kostenfreien Sondertilgungen und/oder einer vollständigen Rückzahlung vor der eigentlichen Fälligkeit vorteilhaft. Ohne diese Optionen sind Kündigungen teuer.

Darlehen beantragen

Ratenkredite können bei vielen Banken über das Internet beantragt werden. Auch beim Online-Antrag sind jedoch eine Legitimation per Postident und ein Nachweis über das Haushaltseinkommen per Post bzw. Fax erforderlich. Bei Sofortentscheidungen, mit denen viele Banken werben, handelt es sich nicht um rechtlich bindende Vertragsschlüsse. Sofortentscheidungen werden durch ein Computerprogramm anhand der vom Antragsteller eingegebenen Daten und ggfls. Der Schufa-Scorewerte automatisch erstellt.

Unterbreitet eine Bank ein Darlehensangebot, ist es in der Regel für zwei Wochen gültig. Bei Immobilienkrediten können sich Antragsteller dies zunutze machen und sich durch eine Antragstellung eine kostenlose (kurzfristige) Zinsgarantie sichern.